Wenn Hormone die Haut regieren – was unser Inneres über unsere Haut erzählt
- Nina Müller

- 7. Nov. 2025
- 3 Min. Lesezeit

Manchmal erzählen mir KundInnen, sie wüssten gar nicht mehr, was ihre Haut eigentlich will: Mal strahlt sie, mal spannt sie, mal bricht sie plötzlich in Unreinheiten aus – und das scheinbar ohne erkennbaren Grund.Doch meist, wenn wir genauer hinschauen, ist die Ursache gar nicht so mysteriös: Es sind die Hormone.
Ich finde es immer wieder faszinierend, wie eng unser endokrines System und unsere Haut miteinander verbunden sind. Hormone sind nicht nur Botenstoffe – sie sind kleine Regisseure, die hinter den Kulissen das Erscheinungsbild unserer Haut mitgestalten.
Die unsichtbaren Hautflüsterer
Östrogene, Progesteron, Androgene, Kortisol – sie alle haben ihren ganz eigenen Einfluss auf die Haut.Östrogene machen sie prall, elastisch und gut durchfeuchtet – man sieht es förmlich in der zweiten Zyklushälfte oder in der Schwangerschaft, wenn die Haut „von innen leuchtet“.Wenn dieser Hormonpartner später nachlässt, etwa in den Wechseljahren, zeigt sich das Gegenteil: Die Haut wird dünner, trockener, manchmal empfindlich.
Progesteron hingegen wirkt beruhigend, fast ausgleichend. Wenn es im Gleichgewicht ist, sorgt es für Ruhe und Balance. Doch bei Mangel oder in hormonellen Umbruchphasen kann die Haut plötzlich gereizt oder unrein reagieren.
Androgene – vor allem Testosteron – stimulieren die Talgdrüsen. In der richtigen Menge ist das gut, doch ein Zuviel (etwa in der Pubertät oder in den Wechseljahren) führt schnell zu Spätakne.Und dann ist da noch Kortisol, unser Stresshormon. Kurzfristig nützlich, aber dauerhaft erhöht, schwächt es die Hautbarriere und lässt sie schneller altern.
Ich sage oft: „Die Haut vergisst keinen Stress.“
Wenn die Haut im Takt des Zyklus mitschwingt
Viele Frauen spüren intuitiv, dass sich ihr Hautbild im Laufe des Monats verändert.In der ersten Zyklushälfte, wenn die Östrogene dominieren, ist die Haut oft feinporig, klar, fast leuchtend.Nach dem Eisprung, in der Lutealphase, übernimmt Progesteron – die Haut produziert etwas mehr Talg, wird oft leicht unruhig oder glänzend.Und kurz vor der Menstruation? Da sinken beide Hormone ab – und die Haut zeigt, was sie davon hält: kleine Entzündungen, Spannungsgefühle, Rötungen.
Ich ermutige KundInnen immer, ihren Zyklus mitzubeobachten – nicht, um noch eine „Pflicht“ zu haben, sondern um sich selbst besser zu verstehen. Denn wer weiß, wann die Haut Ruhe braucht und wann sie aufblüht, kann Pflege gezielt anpassen.
Schwangerschaft – ein Hormonfeuerwerk
Kaum eine Lebensphase ist hormonell so intensiv wie die Schwangerschaft.Manche Frauen strahlen, als hätten sie innerlich einen Lichtschalter umgelegt – dieser berühmte „Pregnancy Glow“. Andere kämpfen mit Pigmentflecken, Unreinheiten oder empfindlicher Haut.
Beides ist völlig normal.Die Hormone – vor allem Östrogen, Progesteron, MSH und Kortisol – schalten in dieser Zeit auf Maximum. Das beeinflusst Durchblutung, Pigmentierung und die Hautbarriere enorm.
Ich empfehle hier immer: so mild wie möglich, so wenig wie nötig.Vieles reguliert sich nach der Geburt von selbst – und das Wissen darum nimmt unglaublich viel Druck.
Wechseljahre – wenn die Haut ihren Hormonpartner verliert
Dann kommt die Zeit, in der die Haut plötzlich anders reagiert, obwohl „alles gleich geblieben ist“.Das Östrogen sinkt, das Bindegewebe verliert an Spannkraft, die Haut wird dünner, trockener – und gleichzeitig treten plötzlich wieder Unreinheiten auf.
Das wirkt paradox, ist aber hormonell logisch: Während das Östrogen sinkt, bleiben die Androgene länger aktiv.Deshalb sprechen wir hier von einer relativen Androgendominanz – und genau die zeigt sich in Spätakne oder feinem Haarausfall.
Für mich ist das eine Phase, in der Hautpflege besonders feinfühlig werden darf.Pflege, Ernährung, Entspannung und – ja, manchmal – auch medizinische Hormonbegleitung greifen hier ineinander.
Wenn Hormone aus dem Gleichgewicht geraten
Akne, periorale Dermatitis, Haarausfall, Pigmentstörungen – sie alle können hormonell mitgesteuert sein.Gerade bei Frauen mit Zyklusstörungen, nach dem Absetzen der Pille oder in der Menopause sehe ich oft, wie Hautprobleme plötzlich auftauchen oder sich verändern.
Dann ist es wichtig, nicht nur „die Haut zu behandeln“, sondern die ganze Person.Wie schlafen Sie? Wie ernähren Sie sich? Wie geht es Ihrem Stresslevel?Denn Haut, Hormone und Nervensystem – sie sprechen ständig miteinander.
Mein Ansatz: Haut ganzheitlich verstehen
Ich arbeite gern nach dem Prinzip: Die Haut ist ehrlich – sie zeigt, was innen los ist.Darum gehört für mich immer dazu:
Zyklus- oder Lebensphasen zu berücksichtigen
auf Ernährung und Mikronährstoffe zu achten
Stressbewältigung und Achtsamkeit einzubauen
und bei Bedarf interdisziplinär mit Gynäkolog:innen oder Endokrinolog:innen zusammenzuarbeiten.
Wenn wir Hormone mitdenken, begleiten wir unsere KundInnen anders – empathischer, tiefer, nachhaltiger.
Fazit – die Haut als Tagebuch unseres Hormonlebens
Unsere Haut erzählt unsere Geschichte: von Aufbruch und Veränderung, von Schwangerschaft und Wandel, von Stress und Entspannung.Sie spiegelt, was innen geschieht – jeden Monat, jedes Jahr, jede Lebensphase.
Und wenn wir zuhören, verstehen wir sie besser.Denn: Unsere Haut ist nicht nur Spiegel der Seele – sie ist das Tagebuch unseres Hormonhaushalts.
Nina Müller




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